Rafael Weiler sowie Emilia Petras und Christian Imhof haben ihre persönlichen Eindrücke zur FCSI EAME Conference 2026 in Liverpool festgehalten.

Während Rafael die Conference aus Sicht eines FCSI-Mitglieds und Fachplaners beleuchtet, berichten Emilia und Christian von ihrer Teilnahme als Gewinner des Studentenwettbewerbs an der Igeho. Gemeinsam zeigen die Beiträge, wie wertvoll internationaler Austausch, Nachwuchsförderung und neue Perspektiven für die Zukunft unserer Branche sind.

Bericht von Rafael Weiler

Die FCSI Conference 2026 in Liverpool war für mich weit mehr als ein klassisches Branchentreffen.

Es war meine erste Teilnahme an einer EAME Conference und bereits in den ersten Stunden wurde ich aussergewöhnlich herzlich aufgenommen. Die Atmosphäre war offen, kollegial und fast familiär. Gerade diese Mischung aus fachlichem Anspruch und persönlichem Austausch hat die Veranstaltung für mich besonders gemacht.

Liverpool als passender Rahmen

Auch Liverpool erwies sich als passender Austragungsort. Die Stadt verbindet industrielle Geschichte, kulturelle Vielfalt und eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Neuerfindung. Dieser Geist war während der gesamten Konferenz spürbar und bildete einen passenden Rahmen für die Diskussionen über die Zukunft unserer Branche.

Eine Branche im Wandel

Was mich besonders beeindruckt hat, war die Klarheit, mit der viele Referenten einen grundlegenden Wandel beschrieben. Foodservice-Consulting entwickelt sich zunehmend über die klassische Planung von Küchen, Geräten und Betriebsabläufen hinaus.

Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen, Datenmanagement und gesellschaftliche Verantwortung rücken immer stärker ins Zentrum. Die Herausforderung besteht nicht mehr darin, einzelne Aspekte zu optimieren, sondern sie sinnvoll miteinander zu verbinden.

Künstliche Intelligenz als roter Faden

Mein grösster Wow-Moment war dabei die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz. KI war auf der Konferenz nicht einfach ein Trendthema, sondern ein roter Faden, der sich durch zahlreiche Vorträge zog. Interessant war dabei weniger die Frage, ob KI unsere Branche verändern wird, sondern vielmehr, wie wir sie verantwortungsvoll und gewinnbringend einsetzen können.

Die vorgestellten Anwendungen zeigten eindrücklich, welches Potenzial bereits heute vorhanden ist: schnellere Variantenentwicklungen, bessere Datenauswertungen, effizientere Berichterstattung und neue Möglichkeiten bei der Analyse komplexer Betriebsabläufe. Gleichzeitig wurde aber ebenso deutlich, dass KI kein Ersatz für Fachwissen, Erfahrung und Urteilsvermögen ist. Die Technologie kann unterstützen, beschleunigen und strukturieren, die Verantwortung für Entscheidungen bleibt jedoch beim Menschen.

Besonders positiv überrascht hat mich, wie offen auch die kritischen Aspekte diskutiert wurden. Datenschutz, Vertraulichkeit sensibler Projektdaten sowie der erhebliche Energiebedarf moderner Rechenzentren wurden nicht ausgeklammert. Diese differenzierte Betrachtung empfand ich als sehr wertvoll. Sie zeigt, dass die Branche KI weder unkritisch feiert noch ignoriert, sondern sich ernsthaft mit den Chancen und Konsequenzen auseinandersetzt.

Der Mensch bleibt im Zentrum guter Planung

Ein weiteres zentrales Learning war für mich die konsequente Ausrichtung auf den Menschen. Mehrere Beiträge machten deutlich, dass erfolgreiche Küchen und Gastronomiebetriebe nicht primär um Technik oder Prozesse herum geplant werden sollten, sondern um die Menschen, die täglich darin arbeiten. Aspekte wie Ergonomie, Wegeführung, Raumklima, Kommunikation und flexible Arbeitsabläufe beeinflussen Produktivität, Hygiene und Mitarbeiterbindung oft stärker als einzelne technische Innovationen.

Diese Diskussionen haben meine eigene Überzeugung bestätigt: Gute Planung zeigt ihre Qualität nicht auf dem Papier, sondern im täglichen Betrieb. Besonders eindrücklich waren Erkenntnisse, die den Zusammenhang zwischen schlecht gestalteten Arbeitsumgebungen, hoher Belastung und steigender Fluktuation aufzeigten.

Was häufig als «weicher Faktor» betrachtet wird, hat in Wahrheit direkte wirtschaftliche Auswirkungen.

Vom Fachplaner zum strategischen Partner

Wenn ich eine Entwicklung benennen müsste, die aus meiner Sicht künftig besonders an Bedeutung gewinnen wird, dann ist es die zunehmende Rolle des Beraters als Integrator.

Wir werden noch stärker gefordert sein, zwischen Betrieb, Technik, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und den Bedürfnissen der Menschen zu vermitteln. Der klassische Fachplaner entwickelt sich zunehmend zum strategischen Partner, der komplexe Zusammenhänge verständlich macht und fundierte Entscheidungsgrundlagen schafft.

Internationaler Austausch als echter Mehrwert

Mindestens so wichtig wie die fachlichen Inhalte war für mich jedoch der Geist der Konferenz. Der offene Austausch zwischen Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichsten Ländern zeigte eindrucksvoll, welchen Wert internationale Netzwerke haben.

Erfahrungen wurden geteilt, unterschiedliche Perspektiven diskutiert und Herausforderungen gemeinsam reflektiert. Gerade in einer Zeit des schnellen Wandels ist diese Bereitschaft zum gegenseitigen Lernen ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Mein persönliches Fazit

Mein Fazit aus Liverpool lautet deshalb: Die Zukunft unserer Branche wird digitaler, datenbasierter und nachhaltiger sein. Gleichzeitig wird sie aber auch menschlicher werden müssen.

Genau dieses Zusammenspiel von technologischer Innovation und menschlicher Verantwortung war für mich die wichtigste Erkenntnis der FCSI EAME Conference 2026 und diejenige, die ich mit nach Hause nehme.

Hier geht es zum Bericht von Emilia und Christian